Shaft-Floing und Spine Alignment: Was die Ausrichtung des Schafts bewirkt
Kein Graphitschaft ist rundum exakt gleich steif. In der Serienfertigung wird er trotzdem in beliebiger Drehung in den Schlägerkopf geklebt. Beim Shaft-Floing wird die Richtung ermittelt, in der der Schaft am ruhigsten schwingt, und der Schaft gezielt danach ausgerichtet. Die Forschung dazu ist dünn: Es gibt Hinweise auf mehr Konstanz und ein besseres Gefühl, aber keinen sicheren Beleg für weniger seitliche Streuung.
In diesem Artikel erklären wir, was hinter Spine, Floing und Puring steckt, was Studien tatsächlich zeigen und warum wir jeden GIOIA Schaft trotzdem von Hand ausrichten.
Warum kein Schaft rundum gleich steif ist
Ein Graphitschaft entsteht aus mehreren Lagen Kohlefaser, die um einen Kern gewickelt werden. Dabei entstehen kleine Unregelmäßigkeiten, etwa dort, wo eine Lage endet. Der Schaft ist deshalb in eine Richtung etwas steifer als in die andere.
Der Golftechniker Dave Tutelman beschreibt das anschaulich: Trägt man die Steifigkeit rund um den Schaft auf, entsteht keine Kreisform, sondern eine leichte Ellipse. Die steifste Richtung nennt man Spine, die Richtung, in der sich der Schaft am gleichmäßigsten biegt, die neutrale Biegeachse (Tutelman).
Warum das wichtig sein kann: Im Schwung biegt sich der Schaft stark. Liegt die steife Richtung schräg zur Schwungebene, kann der Schaft beim Biegen leicht zur Seite ausweichen. Ob dieser Effekt groß genug ist, um den Ballflug messbar zu verändern, ist die eigentliche Streitfrage.
Spine, Floing, Puring: drei Wege zur Ausrichtung
| Verfahren | Wie es funktioniert |
|---|---|
| Spine Alignment (Spining) | Der Schaft wird im Stillstand gebogen und gedreht, bis die steifste Stelle gefunden ist. Diese wird in einer festgelegten Richtung zum Schlägerkopf eingebaut. |
| Shaft-Floing (FLO) | FLO steht für „Flat Line Oscillation“. Der eingespannte Schaft wird angeschlagen und schwingt. Man sucht die Drehung, in der er in einer geraden Linie schwingt, ohne zu eiern, und richtet ihn danach aus. |
| Puring (SST PURE) | Ein kommerzielles Verfahren nach demselben Prinzip wie Floing: Gesucht wird die Ebene, in der der Schaft am stabilsten schwingt. |
Spining arbeitet also statisch, Floing und Puring dynamisch. Auch die Forschung unterscheidet zwischen statischer und dynamischer Ausrichtung (Rancourt et al. 2010).
Was Studien zeigen – und was nicht
Die einzige begutachtete Studie, die wir zu dem Thema finden konnten, stammt von Rancourt, Millard und McPhee (2010). Daneben gibt es mehrere Untersuchungen von Herstellern und Clubmakern, die Dave Tutelman zusammengetragen hat. Diese sind nicht unabhängig begutachtet.
| Untersuchung | Aufbau | Ergebnis |
|---|---|---|
| Rancourt et al. 2010 (begutachtet) | 5 Golfer (Handicap +2 bis 3), 400 Schläge mit dem 5er-Eisen im Simulator; Spining, PURE und unausgerichtet im Vergleich | PURE: rund 2 m mehr Carry und konstantere Werte; Spining: Abflugwinkel 0,75 bis 0,91° höher; kein Unterschied bei Ballgeschwindigkeit, Richtung, Rück- und Seitendrall; der PURE-Schläger fühlte sich für die Spieler am besten an |
| SST/Butler, späte 1990er (bei Tutelman) | Herstellerstudie mit Drivern | Ausgerichtete Driver schnitten besser ab als unausgerichtete, auch beim Treffbild |
| Dalecki (bei Tutelman) | Doppelblind, 6 Golfer | Eine FLO-Ausrichtung schnitt am besten ab |
| Hewitt (bei Tutelman) | Rund 1.000 Golfer aller Spielstärken | Eine FLO-Ausrichtung zum Ziel war die stabilste |
Unsere ehrliche Einordnung:
- Es gibt Hinweise, dass ausgerichtete Schäfte konstanter und angenehmer zu spielen sind.
- Einen sicheren Beleg für weniger seitliche Streuung gibt es nicht. In der begutachteten Studie waren Richtung und Seitendrall gleich.
- Tutelman selbst hält die Frage für offen. Er weist darauf hin, dass viele Tests nicht zwischen echter Leistung und Gefühl unterscheiden, und dass Robotertests das Gefühl gar nicht erfassen können (Tutelman).
Warum wir es trotzdem machen
In der Serienfertigung ist die Drehung des Schafts im Schlägerkopf Zufall. Zwei baugleiche Driver können sich dadurch leicht unterschiedlich verhalten. Beim Floing wird dieser Zufall ausgeschaltet: Jeder GIOIA Schaft wird von Hand vermessen und immer gleich ausgerichtet.
Das hat zwei Vorteile, die unabhängig von der offenen Forschungsfrage gelten:
- Gleichbleibende Qualität: Jeder Driver wird nach derselben Methode gebaut, keiner ist ein Zufallsprodukt.
- Gefühl und Vertrauen: In der Studie von Rancourt et al. fühlte sich der dynamisch ausgerichtete Schläger für die Spieler am besten an. Ein Driver, dem Sie vertrauen, schwingt sich freier.
Weniger seitliche Streuung versprechen wir dadurch nicht. Was wir in unseren eigenen Tests gemessen haben, zeigen wir auf der Startseite: Dort stehen die Ergebnisse für den kompletten Driver, nicht für das Floing allein.
Häufige Fragen
Ist Shaft-Floing dasselbe wie Spine Alignment? Nicht ganz. Beim Spine Alignment wird die steifste Stelle im Stillstand gesucht, beim Floing die Richtung, in der der Schaft beim Schwingen am ruhigsten bleibt. Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel: den Schaft nicht zufällig einzubauen.
Bringt Floing mehr Weite? In der begutachteten Studie brachte die dynamische Ausrichtung rund 2 m mehr Carry, bei 5 sehr guten Golfern mit dem 5er-Eisen. Das ist ein Hinweis, aber kein allgemeiner Beweis.
Warum sagen manche Hersteller, das sei unnötig? Weil sie sich oft auf Robotertests stützen. Roboter schwingen aber immer gleich und spüren nichts. Ob ein Schaft sich für einen Menschen besser anfühlt, können sie nicht messen (Tutelman).
Von Matteo Blason, Golfcoach und Gründer von GIOIA Golf
Quellen
- Rancourt, J.-S., Millard, M. & McPhee, J. (2010): Player testing and statistical analysis of two different methods for spine-aligning golf club shafts. Procedia Engineering 2(2), S. 3355–3360. DOI: 10.1016/j.proeng.2010.04.157
- Tutelman, D. (2009): All About Spines – Spine alignment
- Tutelman, D.: All About Spines – Schlussfolgerungen
