Schaftlänge beim Damen Driver: Was die Forschung wirklich zeigt
Ein längerer Driver bringt etwas mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit, aber nur wenig: Studien messen rund 1 Prozent mehr Tempo für 5 Zentimeter mehr Länge. Diesen Gewinn verschenken Sie sofort wieder, wenn der Ball nicht in der Mitte der Schlagfläche getroffen wird. Die passende Schaftlänge ist deshalb die, mit der Sie am häufigsten mittig treffen.
In diesem Artikel fassen wir zusammen, was Studien zur Schaftlänge tatsächlich herausgefunden haben, und was davon für Hobby-Golferinnen zählt.
Was die Forschung zur Schaftlänge zeigt
Mehrere Studien haben Driver unterschiedlicher Länge unter kontrollierten Bedingungen getestet. Das Bild ist einheitlich: Länger bringt etwas mehr Tempo, der Effekt ist aber klein.
| Studie | Wer wurde getestet | Längen | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Kenny, Wallace & Otto 2008 | 7 geübte Golfer | 116,8 bis 127,0 cm | Ballgeschwindigkeit +1,8 m/s (6,5 km/h); Carry +4,3 m, statistisch nicht gesichert; keine schlechtere Genauigkeit |
| Lacy et al. 2012 | 6 geübte Golfer | 113,4 bis 117,5 cm | Längere, leichtere Driver meist schneller; Treffpunkte auf der Schlagfläche streuten mit längeren Drivern etwas mehr; beste Kombination je Spieler verschieden |
| R&A-Übersicht 2016 | Auswertung von 6 Studien | 46 auf 48 Zoll (rund 117 auf 122 cm) | Schlägerkopf +1,3 %, Ball +1,1 %, Weite +1,4 % |
Wichtig für die Einordnung: Alle diese Studien arbeiteten mit geübten Golfern mit sehr konstantem Treffbild. Für Hobby-Golferinnen mit Handicap 20 bis 54 gibt es dazu kaum Forschung. Gerade dort entscheidet aber der Treffpunkt, wie viel vom Tempo tatsächlich im Ball ankommt.
Warum der Treffpunkt wichtiger ist als ein paar km/h
Trifft der Ball die Schlagfläche nicht mittig, dreht sich der Schlägerkopf beim Aufprall leicht weg. Ein Teil der Energie geht dann in diese Drehung statt in den Ball. Wie groß der Verlust ist, zeigt eine Messreihe von MyGolfSpy mit 20 Testspielern, 25 Drivern und rund 5.700 Schlägen (MyGolfSpy 2016):
- Mittige Treffer brachten in allen Gruppen die höchste Ballgeschwindigkeit.
- Treffer oberhalb der Mitte kosteten im Schnitt über 6 mph, also rund 10 km/h Ballgeschwindigkeit.
- Bei Schwunggeschwindigkeiten unter 100 mph (rund 160 km/h) waren es knapp 5 mph, also rund 8 km/h.
Zum Vergleich eine einfache Rechnung: Wer den Driver mit 95 km/h schwingt, erreicht bei gutem Treffer rund 135 km/h Ballgeschwindigkeit. 1,1 Prozent mehr durch einen 5 cm längeren Schaft wären gut 1,5 km/h. Ein einziger Treffer oberhalb der Mitte kann dagegen rund 8 bis 10 km/h kosten, also mehr als das Fünffache.
Daraus folgt: Für die Weite zählt nicht die maximale Länge, sondern die Länge, mit der Sie den Ball am häufigsten mittig treffen. Die Studie von Lacy et al. zeigt dazu passend, dass die Treffpunkte mit längeren Drivern etwas stärker streuten.
Kann ein kürzerer Schaft sogar schneller machen?
Ja, bei manchen Golferinnen schon. Beim Schaft wirken zwei Effekte gegeneinander:
- Der Hebel: Ein längerer Schaft führt den Schlägerkopf bei gleicher Drehung auf einem größeren Kreis. Der Kopf wird dadurch schneller.
- Die Trägheit: Ein längerer Schaft erhöht das MOI des ganzen Schlägers. Er lässt sich schwerer in Drehung versetzen, und der Schwung wird langsamer.
Bei geübten Golfern gewinnt in den Studien oben meist knapp der Hebel. Dass die Trägheit aber deutlich bremsen kann, zeigt eine Studie mit Schlägern unterschiedlichen MOI: Bei deutlich höherem MOI schwangen die Golfer rund 5 km/h langsamer (Turner et al. 2020). Lacy et al. fanden außerdem, dass jeder Spieler anders auf Länge und Gewicht reagierte und die beste Kombination je Spieler verschieden war.
Für Golferinnen mit ruhigerem Schwungtempo kann der kürzere, leichter zu beschleunigende Driver deshalb unterm Strich schneller sein, und er wird zusätzlich öfter mittig getroffen. Ob das bei Ihnen so ist, zeigt nur die Messung im Fitting. Mehr zur Trägheit lesen Sie im Artikel MOI beim Golfschläger.
Was das für Ihren Driver bedeutet
Viele Driver werden in einer Standardlänge verkauft, die für eine durchschnittliche Golferin gedacht ist. Ob sie zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Körpergröße, Ihrer Armlänge und Ihrem Schwung ab. Diese Anzeichen sprechen dafür, dass Ihr Driver zu lang sein könnte:
- Sie treffen den Ball oft an der Spitze oder an der Ferse der Schlagfläche.
- Sie greifen den Driver unbewusst kürzer.
- Der Driver fühlt sich deutlich schwerer und träger an als Ihre Eisen oder Ihr Holz.
Beim GIOIA Driver wird die Schaftlänge deshalb nicht von der Stange gewählt, sondern anhand Ihrer einzigartigen Körpermaße und Ihres Schwungs bestimmt. Ziel ist nicht der längste mögliche Schaft, sondern der, mit dem Sie am häufigsten mittig treffen.
So finden Sie Ihre passende Länge:
- Machen Sie den Driver-Check.
- Lassen Sie sich online oder persönlich im Golfclub Linz-Luftenberg fitten. Beim persönlichen Fitting sehen wir auf dem Messgerät, wo Sie den Ball auf der Schlagfläche treffen.
Häufige Fragen
Bringt ein längerer Driver mehr Weite? In Studien mit geübten Golfern ja, aber wenig: rund 1 Prozent mehr Tempo für 5 cm mehr Länge. Für Hobby-Golferinnen zählt mehr, ob der Ball mittig getroffen wird. Ein Treffer außerhalb der Mitte kostet deutlich mehr Ballgeschwindigkeit, als ein längerer Schaft bringt.
Schwinge ich mit einem kürzeren Driver schneller? Das ist möglich. Ein kürzerer Schaft hat ein geringeres MOI und lässt sich leichter beschleunigen, dafür ist der Hebel kürzer. Bei geübten Golfern überwiegt in Studien meist knapp der Hebel, bei manchen Golferinnen mit ruhigerem Schwung kann es umgekehrt sein. Klarheit bringt eine Messung im Fitting.
Kann ich meinen Driver einfach kürzen lassen? Das ist möglich, verändert aber auch, wie schwer sich der Schläger im Schwung anfühlt, und damit die Balance. Deshalb sollte Kürzen immer zusammen mit der Gewichtsverteilung betrachtet werden. Mehr dazu im Artikel zur MOI-Anpassung.
Wie lang darf ein Driver maximal sein? Die Golfregeln erlauben höchstens 1,219 m, also 48 Zoll (Kenny, Wallace & Otto 2008). Für die meisten Golferinnen ist die passende Länge deutlich kürzer.
Von Matteo Blason, Golfcoach und Gründer von GIOIA Golf
Quellen
- Kenny, I. C., Wallace, E. S. & Otto, S. R. (2008): Influence of shaft length on golf driving performance. Sports Biomechanics 7(3), S. 322–332. DOI: 10.1080/14763140802233249
- Lacy Jr., T. E., Yu, J., Axe, J. & Luczak, T. (2012): The Effect of Driver Mass and Shaft Length on Initial Golf Ball Launch Conditions. Procedia Engineering 34, S. 379–384. DOI: 10.1016/j.proeng.2012.04.065
- The R&A (08.03.2016): Effect of Club Length on Potential Distance (PDF)
- MyGolfSpy (10.10.2016): The Vertical Impact Location Study
- Turner, J., Forrester, S. E., Mears, A. C. & Roberts, J. R. (2020): The Effect of Golf Club Moment of Inertia on Clubhead Delivery and Golfer Kinematics. Proceedings 49(1), 96. DOI: 10.3390/proceedings2020049096
